Aktuelle Nachrichten von MK Consulting
10 / 2026
Eine Woche Dubai. Und eine Erkenntnis, die man in keinem Bericht nachlesen kann.
Es war eine Woche mit sehr vielen Gesprächen, quer durch viele Bereiche und mit sehr unterschiedlichen Gesprächspartnern. Darunter zwei Themen, die mich besonders beschäftigen: alternative Finanzierungsmethoden und Senior Living im internationalen Bereich. Und es gab handfeste Ergebnisse: Aus Netzwerkgesprächen vor Ort haben sich neue Targets im deutschen Pensionsgeschäft ergeben, dazu interessante Investment-Targets in Bereichen wie Batteriespeicher und Datacenter. Ein deutsches Pensionsthema, angestoßen in Dubai: Auch das zeigt, wie dieser Standort als Drehscheibe funktioniert.
Was bleibt, ist ein Bild davon, wie ein Standort denkt, der in Jahrzehnten plant.
Zuerst das Offensichtliche: Die Bautätigkeit ist imposant. Wer allein durch das DIFC, das Dubai International Financial Centre, geht, sieht Kräne, Baugruben und neue Türme in einer Dichte, die wir in Europa kaum noch kennen. Kommt man nach wenigen Monaten wieder, sieht man, wie schnell es vorangeht.
Diese Woche gab eine Meldung in der Presse, die genau zu diesem Eindruck passt. Das Investitionsministerium der Emirate hat erklärt, dass 2026 trotz des Kriegs in der Region keine einzige geplante Direktinvestition storniert wurde. 2025 flossen laut UNCTAD rund 48 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen in die Emirate. Das ist ein Rekord und Platz eins im Nahen Osten. Bis 2031 sollen es 65 Milliarden US-Dollar pro Jahr werden, und laut Ministerium liegt man im Plan.
Strategien, die abgearbeitet werden
Hinter diesen Zahlen stehen klare Langfriststrategien. Auf Ebene der VAE ist das die Nationale Investitionsstrategie 2031, für Dubai der Dubai 2040 Urban Master Plan, der die Stadtentwicklung über fast zwei Jahrzehnte festlegt. Solche Papiere kennen wir in Europa auch. Der Unterschied: In Dubai sind sie keine Absichtserklärungen, die in der Schublade verschwinden. Die Punkte werden Schritt für Schritt abgearbeitet, und man kann dabei zusehen.
Boots on the Ground
Genau deshalb ist dieses Prinzip so wichtig. Zahlen kann man am Schreibtisch lesen und abhaken. Vor Ort bekommen sie eine andere Qualität. Wenn wir Märkte, Partner oder Investments beurteilen wollen, müssen wir hinfahren. Präsentationen und Marktberichte liefern Daten. Was wirklich passiert, sehen wir nur authentisch vor Ort: auf der Baustelle, im Gespräch beim Kaffee, auf der Tribüne.
Dazu gehört auch, die Probleme nicht wegzureden. Der Tourismus spürt die geopolitische Lage, das ist offensichtlich und wird auch nicht beschönigt. Bemerkenswert ist aber, wie damit umgegangen wird. Es gibt eine klare Strategie, wie man durch diese Phase geht und wo man danach stehen will. Keine Hektik, kein Kurswechsel nach jeder Schlagzeile. Das ist der Unterschied zwischen Quartalsdenken und langfristigem Denken.
Ein Fußballspiel und ein Burger
Besonders in Erinnerung bleibt das U17-Akademiespiel von Al Wasl gegen den Emirates Club. Wer aus dem Klubfußball kommt, schaut bei so etwas automatisch auf Strukturen: Infrastruktur, Organisation, den Stellenwert des Nachwuchses im Verein. Der Eindruck: Hier wird bewusst in die nächste Generation investiert. Im Nachwuchs zeigt sich am ehrlichsten, ob ein Standort langfristig denkt.
Und weil zu einer guten Woche auch gutes Essen gehört: Der Smash Burger bei Take the Good Food war sensationell. Eine klare Empfehlung für alle, die nach Dubai reisen.
Drei Learnings aus dieser Woche
1. Dubai ist ein Hub für Plattformgeschäfte, und zwar in alle Richtungen.
Die Emirate sind längst Drehscheibe. Von hier aus werden Geschäfte nach Indien, nach Afrika und in die wachsenden Märkte Asiens aufgesetzt. Wenn wir als europäische Unternehmen Zugang zu diesen Märkten suchen, finden wir in Dubai Kapital, Infrastruktur und ein Netzwerk, das genau diese Regionen verbindet.
2. Sport ist die optimale Netzwerkplattform.
Kaum ein anderes Umfeld öffnet Türen so selbstverständlich wie der Sport. Auf der Tribüne, bei einem Akademiespiel, bei einem Event entstehen Gespräche, die in einem Besprechungsraum nie zustande kämen. Das kennen wir in Wien genauso. In Dubai wird Sport aber bewusst als strategisches Instrument eingesetzt: für den Standort, für Investitionen, für Beziehungen.
3. Dubai hat einen klaren Plan: langfristige Bautätigkeit und Investitionen.
Die Kräne im DIFC sind kein Strohfeuer. Sie folgen einem Plan, der über Jahre angelegt ist und auch in schwierigen Phasen nicht aufgegeben wird. Kapital folgt Verlässlichkeit. Investoren bleiben, weil sie wissen, woran sie sind.
Was heißt das für uns in Europa?
Zu oft treiben bei uns die nächste Saison, das nächste Budget oder die nächste Schlagzeile die Entscheidungen. Das ist nachvollziehbar, aber es kostet Gestaltungsspielraum. Dubai zeigt, was möglich ist, wenn man einen Plan über zehn oder zwanzig Jahre ernst nimmt und ihn auch dann durchzieht, wenn das Umfeld unruhig wird.
Kopieren müssen wir das nicht. Die Rahmenbedingungen sind andere, und geopolitisches Risiko gehört heute in jede Due Diligence, auf beiden Seiten des Tisches. Die Haltung lohnt aber einen genauen Blick: langfristig denken, konsequent investieren, Netzwerke pflegen.
Für mich persönlich ist das Fazit klar. In meiner Zeit im Klubfußball und in der Beratung habe ich oft erlebt, wie viel kurzfristiges Denken kostet. Bei jedem Besuch in Dubai sehe ich das Gegenmodell. Deshalb baue ich die Brücke zwischen Österreich, dem DACH-Raum und der Golfregion konsequent weiter aus: im Sport, in der Finanzierung, im Pensionsgeschäft, bei Investments und im Senior Living. Die Gespräche dieser Woche setze ich bereits aktiv fort.
Danke an alle, die sich Zeit genommen, Türen geöffnet und offen gesprochen haben, besonders an Yousuf Behzad, Dr. Juma Al Matrooshi, Sebastian Uckermann und Marcus Schmidt.
Wer selbst mit Partnern in der Golfregion arbeitet oder darüber nachdenkt: Wie sind Ihre Erfahrungen? Ich freue mich auf den Austausch.